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SP EU Plattform verleiht ersten René-Felber-Preis an Gret Haller

Für besondere Verdienste innerhalb der SP verleiht die SP-EU-Plattform den René-Felber-Preis. Der Preis trägt den Namen von René Felber, dem früheren Neuenburger SP-Nationalrat und Bundesrat, der 1992 das offizielle EU-Beitrittsgesuch der Schweiz unterzeichnete.
In diesem Jahr wurde die Auszeichnung zum ersten Mal vergeben – und zwar an Gret Haller. Ihre Liste an politischen Verdiensten ist beeindruckend: Sie war Gemeinderätin, Nationalrätin, Nationalratspräsidentin, Schweizer Botschafterin beim Europarat sowie Ombudsfrau für Menschenrechte in Bosnien-Herzegowina. Vor allem aber setzte sie sich während ihres gesamten politischen Wirkens unbeirrt für einen klar pro-europäischen Kurs der SP Schweiz ein.
Die SP-EU-Plattform war deshalb besonders stolz, Gret Haller an ihrer Hauptversammlung vom 26. Juni 2025 als erste Trägerin des René-Felber-Preises auszeichnen zu dürfen.
Zu Ehren von Gret Haller hielt Jon Pult, Vizepräsident der SP Schweiz und Nationalrat aus Graubünden, die Laudatio.

Verleihung des René Felber Preises an Gret Haller für ihr Lebenswerk

Laudatio von Jon Pult, Vizepräsident SPS und Vorstandsmitglied SP EU Plattform

Liebe Gret, liebe Genossinnen und Genossen,

wir ehren heute eine Frau, die für viele von uns weit mehr ist als ein Vorbild: eine Mitstreiterin, eine Mahnerin, eine Denkerin – eine, die nie aufgibt. Auch dann nicht, wenn der politische Gegenwind stark bläst oder vermeintliche Opportunitäten plötzlich gegen das sprechen, was den Überzeugungen einer grossen Europäerin entspricht.

Du, Gret, hast Dich zeitlebens für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt. Schon in Deiner Dissertation zu den UNO-Menschenrechtspakten und der rechtlichen Stellung der Frau in der Schweiz hast Du gezeigt, worum es Dir geht: um Rechte, die nicht bloss auf dem Papier stehen – sondern gelebt, eingefordert, erkämpft werden müssen.

Als Juristin, Intellektuelle, Berner Gemeinderätin, Nationalrätin, als Präsidentin des Nationalrats, als Botschafterin beim Europarat und als Ombudsfrau in Bosnien hast Du Verantwortung übernommen – auch dort, wo es unbequem wurde. Du hast die Menschenrechte als das humanistische Erbe Europas verteidigt – wohl immer wieder auch dort, wo andere lieber weggeschaut hätten. Und Du hast früh erkannt: Die grossen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht im Alleingang lösen – sondern nur gemeinsam in Europa.
Innerhalb unserer Partei hast Du unermüdlich und unbeirrbar dafür gekämpft, dass der EU-Beitritt ein zentrales Ziel bleibt. Du hast geholfen, die Sektion EU, die Vorläuferin unserer Plattform, ins Leben zu rufen. Weil Du weisst: Ohne klare Perspektive, ohne das zuweilen als mühsam empfundene Bohren bei den Parteioberen, droht das europapolitische Engagement zu versickern.

Und weil Du überzeugt bist: Eine soziale und demokratische Schweiz wird auf Dauer nur in einem sozialen und demokratischen Europa Bestand haben.

In einem Deiner vielen Aufsätze hast Du ein Argument formuliert, das viele von uns berührt – und uns zugleich die Augen geöffnet hat.

Du ziehst eine Linie vom Frauenstimmrecht, das die «selbstgefälligen» und «schamlosen» Schweizer Männer den Frauen bis 1971 verweigerten, hin zur heutigen Lage der Schweiz ausserhalb der EU. Denn heute sind wir als Bürgerinnen und Bürger oft de facto von Entscheidungen der EU betroffen – ohne diese politisch mitgestalten zu können. So war es auch für Frauen bis 1971 in unserem Land.

In Deinem 2018 erschienenen Aufsatz warnst Du sogar, dass das anhaltende Hinauszögern eines EU-Beitritts die «Implosion des schweizerischen Republikanismus» zur Folge haben könnte.
Du schreibst weiter:

«Dennoch eignet sich das Frauenstimmrecht insoweit als Blaupause für den EU-Beitritt, als es um die Anpassung des schweizerischen Republikanismus an die Erfordernisse der Zeit geht. Eine selbstgefällige und heute noch in der Mehrheit befindliche Gruppe von Bürgern negiert die offensichtliche Tatsache, dass sich die Schweiz mitten in Europa befindet, mit der EU mannigfaltig verwoben ist und ihre republikanische Tradition nur dann aufrechterhalten kann, wenn sie an der Weiterentwicklung dieser Union aktiv teilnimmt. Die diesbezügliche Wahrnehmungsverzerrung, basierend auf einem selbstgefälligen „Sonderweg“-Denken, ist wie damals auch heute von einer gewissen Schamlosigkeit geprägt.»

Das ist ein mutiger Vergleich. Aber ein notwendiger.

Denn Du machst deutlich: Demokratie heisst nicht nur, abstimmen zu dürfen. Demokratie heisst, echt mitgestalten zu können. Und unsere Nicht-Mitgliedschaft in der EU ist kein Ausdruck von Freiheit – sie ist Ausdruck eines Souveränitätsdefizits. In einem sich integrierenden Europa, in einer zunehmend interdependenten und gefährlicher werdenden Welt, entsteht wirkliche und wirksame Souveränität nur durch geteilte Souveränität. So, wie unser Bundesstaat einst nur möglich wurde, weil die Kantone bereit waren, ihre eigene Souveränität zu teilen – und ihr damit auf Bundesstaatsebene Substanz zu geben.

Souveränität heute ist nicht das dogmatische Festhalten an der Illusion vollständiger nationaler Alleinbestimmung. Souveränität im 21. Jahrhundert heisst: Mitbestimmung und Mitgestaltung unserer gemeinsamen Zukunft.

Diese Erkenntnis hast Du, liebe Gret, früher erkannt, klarer formuliert und entschlossener vertreten als viele – auch als viele in der SP Schweiz. Dafür, und für Deinen beharrlichen Einsatz, verdienst Du den René Felber Preis.

Liebe Gret,

Du hast Europa nie bloss als institutionelles oder juristisches Projekt verstanden – schon gar nicht als technokratisches –, sondern als politische Kultur. Als Raum für Menschenrechte, für Freiheit, für soziale Gerechtigkeit. Als Ort geteilter Verantwortung für eine soziale und demokratische Zukunft.

Und Du hast nie aufgehört, für diese Vision zu kämpfen – mit scharfem Verstand, mit Haltung, mit Herz.
Dafür danken wir Dir heute – und zeichnen Dich mit dem René Felber Preis aus. Es ist kein grosser, kein berühmter, kein hochdotierter Preis. Aber er kommt von Herzen. Und ich finde: Er passt zu Dir.

Im Namen des Vorstandes, der ganzen Plattform – und hoffentlich aller, die mit Dir weiterhin für eine europäische Schweiz und ein humanistisches Europa kämpfen:

Grazcha fich e cordiala gratulaziun!

» Für die SP ist klar, dass ein gut ausgehandelter EU-Beitritt die beste Option bleibt. «
Mario Carera
Expert en politique de développement
» Weil wir alle grossen Herausforderungen unserer Zeit nur zusammen mit unseren befreundeten Nachbarn meistern können. «
Beat Jans
Bundesrat
» Solidarität ist der zentrale Begriff der Sozialdemokratie. Europäische Solidarität findet ihren konkreten Ausdruck im Staatenverbund der Europäischen Union. Deswegen muss der EU-Beitritt das Ziel der SP-Schweiz sein. «
Jonas Lüscher
Schriftsteller
» Beziehungen zur EU sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich. Die grossen Herausforderungen unserer Zeit können wir nur gemeinsam begegnen. «
Sara Wyss
Nationalrätin Basel-Stadt
» Die europäische Integration ist eine riesige Errungenschaft für alle Europäerinnen und Europäer und ein faszinierendes politisches Projekt: für die Freiheit, für den Frieden, für den Wohlstand. Bei diesem Projekt sollte auch die Schweiz mitwirken wollen. «
Jon Pult
Nationalrat Graubünden
» Die europäische Einigung hat unserem Kontinent Frieden, Sicherheit und Wohlstand gebracht. Die Schweiz soll sich daran beteiligen – aus Eigeninteresse und solidarischer Beitrag für die Menschen in Europa. «
Fabian Molina
Nationalrat Zürich